Losungswort
Der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre.
Jesaja 58,11
Lehrtext
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Matthäus 6,11
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Das heutige Losungswort hat eine Vorgeschichte. Gottes Zuspruch, sein Volk in Zeiten des Mangels zu versorgen, kam nicht von ungefähr. Zuvor hatte er durch den Propheten Jesaja beklagt, dass die Israeliten nur ein scheinbar gottgefälliges Leben führten. Sie fasteten und demütigten sich vor Gott – doch in Wirklichkeit gingen sie ihren Arbeiten nach, zankten, stritten und wurden sogar gewalttätig. Tatsächlich sucht Gott bei uns Menschen etwas ganz anderes. So heißt es: „Fasten, wie ich es liebe, sieht doch vielmehr so aus: Lasst die zu Unrecht Gefangenen frei und gebt die los, die ihr unterjocht habt. Lasst die Unterdrückten frei. Zerbrecht jedes Joch. Ich möchte, dass ihr euer Essen mit den Hungrigen teilt und heimatlose Menschen gastfreundlich aufnehmt. Wenn ihr einen Nackten seht, dann kleidet ihn ein. Verleugnet euer eigenes Fleisch und Blut nicht.“(1)
Fasten bedeutet Verzicht. Hier wird klar, dass Gott damit nicht nur ein religiöses Ritual meint, sondern dass wir bereit sind, auf unsere Privilegien zu verzichten und uns um unsere Mitmenschen kümmern. Ich denke, genau das meinte Jesus Christus, als er sagte: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“(2)
Auch im Lehrtext geht es um Versorgung – genauer gesagt, um die Bitte darum. In Zeiten des Überflusses ist uns vielleicht entfallen, dass wir mindestens dreimal am Tag eine Gebetserhörung erleben. Jede Mahlzeit, jeder Schluck, ja sogar jeder Cracker ist eine Gebetserhörung. Nun drohen Zeiten des Mangels zu kommen – nicht ein wirklich großer Mangel, doch eine Verschlechterung des persönlichen Einkommens. Wie reagieren wir darauf? Worauf haben wir unser Vertrauen gesetzt? In unsere Automobilindustrie oder andere Erfolgsmodelle der Vergangenheit? Zwei Dinge sind, wie ich glaube, wichtig: Nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu trachten – und ihm zu vertrauen, dass er uns selbst in Zeiten des Mangels versorgen wird.
Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) Jes. 58,6-7 [Neues Leben Übersetzung] (2) Matt. 6,33 [Luther 2017]
Gebet:
Vater im Himmel, jeden Tag versorgst du uns mit Essen, Trinken und mit einem Dach über dem Kopf. Ich danke dir und will dir vertrauen, dass du es auch tun wirst, wenn Mangel herrscht. Schenke uns dieses Vertrauen, und lehre uns, unsere Sicherheit auf deinem Wort aufzubauen. Das bitte ich dich in Jesu Namen. Amen.