Losungswort
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
Psalm 103,13
Lehrtext
Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
Galater 4,6
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Sowohl im heutigen Losungswort als auch im Lehrtext wird Gott mit einem Vater verglichen – ja sogar direkt als Vater bezeichnet. Was bedeutet das für uns?
Bei dem Wort „Vater“ erinnern sich viele häufig an ihre Erfahrungen mit ihren leiblichen Vätern. Diese fallen sehr verschieden aus. Einige schwärmen von ihren Vätern, andere erinnern sich mit Schrecken an ihre Kindheit. Letztere können mit der Vaterschaft Gottes nichts anfangen, besonders, wenn es dann noch heißt, dass Gott sich über die erbarmt, die ihn fürchten.
Doch auch diejenigen, die eine gute Kindheit mit ihren Vätern erlebt haben, erkennen meist in der Pubertät auch deren Schwächen. Deshalb verstehe ich das Losungswort als eine Momentaufnahme. Es geht also nicht um die Summe aller Erfahrungen, die wir mit unseren Vätern gemacht haben, denn Gott ist kein Mensch. Es geht um spezielle Erlebnisse hier auf Erden, die uns das Wesen Gottes näherbringen.
Der allmächtige Gott hat Erbarmen mit uns, wenn wir ihn ernst nehmen. So verstehe ich das Losungswort. Der Lehrtext geht aber noch weit darüber hinaus. Hier wird Gott nicht mit einem Vater verglichen – er ist unser Vater. Das bedeutet: Wir stammen von ihm ab. Wie kann man das verstehen?
Nun, Jesus sagte einmal, dass wir von Neuem geboren werden müssen, um das Reich Gottes zu sehen.(1) Dieses neue Wesen ist direkt von Gott und trägt dasselbe Wesen in sich wie Christus. Es ist nicht nur geschaffen, sondern ein Teil Gottes selbst.(2) Diese neue Natur – oder anders gesagt: dieser geistliche Mensch – soll wachsen, während die alte Natur – der natürliche Mensch – abnehmen soll. Der Begriff „Abba“ ist eine familiäre und sehr vertrauliche Anrede des Vaters. Sie macht besonders deutlich, dass wir Gott als unseren echten Vater erkennen, dessen Wesen wir nun in uns tragen. Ich glaube, Gott will, dass uns diese sehr besondere Beziehung zu ihm bewusst ist.
Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) Joh. 3,3 (2) Joh. 17,21 Röm. 8,29 2.Petr. 1,4
Gebet:
Lieber Vater im Himmel, es ist für mich unbegreiflich, aber ich trage dein Wesen in mir. Ich danke dir für diese unermessliche Gnade. Ich danke dir, Jesus Christus: Durch dich bin ich das, was ich heute bin. Wirke bitte, dass das Neue wächst und das Alte nicht mehr mein Leben bestimmt. Ich bitte dich aber auch für Menschen, deren Väter nicht gut zu ihnen waren. Lass sie erkennen, wie gut du bist. Das bitte ich in Jesu Namen, Amen.