Losungswort
Jakob gelobte Gott: Von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.
1. Mose 28,22
Lehrtext
Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
2. Korinther 9,7
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Gilt der sogenannte Zehnte eigentlich noch für uns Christen? Und ist damit der zehnte Teil vom Bruttoverdienst oder vom Netto gemeint? Die großen Kirchen erheben für gewöhnlich eine Kirchensteuer, die verbindlich ist. Sie beträgt meistens zwischen 8% und 9% der anfallenden Einkommensteuer. Bei hohen Einkommen wird sie zum Teil gedeckelt zwischen 3% und 4%. In etlichen Freikirchen gibt es keine Kirchensteuer. Sie leben von freiwilligen Spenden. Eine Orientierung ist oft der zehnte Teil vom Netto. Was aber ist von der Bibel her nun richtig?
Zunächst ist es sinnvoll, sich die Situation im damaligen Israel vor Augen zu führen. Elf Stämme konnten normal wirtschaften. Der zwölfte Stamm der Leviten war allerdings für den Tempel-, Opfer- und Gottesdienst verantwortlich. Sie besaßen kein eigenes Land, sondern waren für diese Dienste freigestellt. Sie sollten durch den Zehnten der restlichen Stämme versorgt werden. Auch sie selbst gaben den Zehnten und weihten ihn Gott. Verwendet wurde er unter anderem für die Stiftshütte bzw. den Tempel. So ergab es sich, dass die Leviten das gleiche Einkommen hatten wie der Durchschnitt aller anderen.
Interessant ist, dass die Israeliten den Zehnten Gott weihen sollten. So heißt es im heutigen Losungswort, dass Jakob Gott den Zehnten gab, bevor es von einem Gesetz gefordert wurde. Der Zehnte war also ein geistlicher Akt. Dieses Prinzip besteht, wie ich es sehe, auch heute noch für uns Christen. Allerdings wird im Neuen Testament die Zehntengabe nicht angeordnet. Schauen wir jedoch die erste Gemeinde an, so gaben die Gläubigen weit darüber hinaus – und das völlig freiwillig.(2) Genau diese Freiwilligkeit des Gebens spricht der Apostel Paulus im Lehrtext an. Wie ich es sehe, ist es wichtig, unsere Gabe Gott zu weihen, selbst dann, wenn wir mit der Verwendung nicht einverstanden sind. Es geht nicht darum, mit unserem Geld die Gemeinde zu steuern. Ich glaube, Gott wird uns mit Frieden segnen, wenn wir das beherzigen.
Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) 4.Mos. 18,21 4.Mos. 18,26 (2) Apg. 4,32
Gebet:
Vater im Himmel, ich danke dir, dass du von Anfang an für einen gerechten Ausgleich gesorgt hast. Auch hilfst du mir, nicht an meinem Geld oder Besitz zu kleben. Alles, was ich habe, kommt von dir. Du selbst füllst all meinen Mangel aus. Bewahre mich bitte davor, geizig zu werden, sondern öffne mein Herz immer wieder neu, freigebig zu sein. Das bitte ich in Jesu Namen, Amen.