Losungswort
HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.
Psalm 92,5
Lehrtext
Der Gelähmte sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
Apostelgeschichte 3,8
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Kann man Gott eigentlich nur loben, wenn es einem gut geht? Liest man den heutigen Lehrtext, in dem von der Heilung eines Gelähmten berichtet wird, so könnte man das meinen. Und auch das Losungswort aus Psalm 92 klingt so, als hätte der Verfasser einen Grund, fröhlich von Gottes Werken zu singen.
Was aber ist, wenn man krank ist und nicht geheilt wird? Oder wenn die Kräfte schwinden? Bleibt das Lob dann nicht eher im Hals stecken? Schauen wir doch einmal in Psalm 92. Da heißt es: „Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen.“(1) Wie ich es verstehe, bedeutet es, dass wir vor allen Dingen Gottes Nähe brauchen, um nicht innerlich zu verwelken. Dass wir uns in den verschiedenen Lebensphasen verändern, wissen wir alle. Manches mögen wir als Kinder oder Heranwachsende sehnsüchtig erwarten, anderes – wie das Altern – ist nicht so erwünscht. Ob so oder so, niemand kann diesen Prozess beeinflussen.
Es gibt jedoch noch eine weitere Ebene: unseren Geist, unsere Seele. Etwas, das bleibt, wenn unser Körper vergeht. Denn selbst wenn man eine Heilung erlebt wie der Mann im Lehrtext, irgendwann müssen wir sterben. Genau hier ist es von entscheidender Bedeutung, mit Gott verbunden zu sein. Und genau hier setzt die frohe Nachricht von Christus, dem Retter, an. Er macht möglich, was wir nicht erzeugen können. So schreibt der Apostel Paulus: „Christus hat uns durch den Glauben ein Leben aus Gottes Gnade geschenkt, in der wir uns befinden, und wir sehen voller Freude der Herrlichkeit Gottes entgegen.“(2)
Diese Freude ist nicht mehr abhängig von unseren Umständen. Denn sie kommt daher, dass wir mit Gott in Berührung gekommen sind – dauerhaft. Dadurch befinden wir uns sozusagen im Vorhof seiner Herrlichkeit, denn das Vollkommene ist noch nicht da. Es ist jedoch so nah, dass wir es schon hier spüren. Sollten wir Gott da nicht lobsingen?
Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen
(1) Ps. 92,14 [Luther 2017] (2) Röm. 5,2 [Neues Leben Übersetzung]
Als Gebetsinspiration die erste Strophe aus „Du meine Seele, singe“:
Du, meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.
Text: Paul Gerhardt (*1607 ✝1676)