Losungswort
Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!
Jesaja 6,8
Lehrtext
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
2. Korinther 5,20
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Wie kam der Prophet Jesaja dazu, sich von Gott senden zu lassen – ja geradezu darum zu bitten? Im Vorfeld zum heutigen Losungswort berichtet er, dass er Gott auf einem hohen, gewaltigen Thron sitzen sah. Zuvor noch hatte er die religiösen Missstände im Volk Israel angeklagt, nun klagte er sich selbst an. Er erkannte, dass er nicht besser war als diejenigen, die er angeklagt hatte, und so vor Gott nicht bestehen konnte. Doch dann kam ein Engel mit einer glühenden Kohle und berührte damit Jesajas Lippen. Damit waren dessen Schuld getilgt und seine Sünden gesühnt.
Unmittelbar danach fragte Gott: „Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?“ Nun hätte Jesaja sagen können: „O Herr, ich bin nicht würdig, dein Bote zu sein.“ Vielleicht dachte er das auch, doch er sagte entschlossen: „Hier bin ich, sende mich!“ Jesaja hatte Gottes Gnade erlebt. Sollten nicht alle Menschen diese Möglichkeit bekommen?
Tatsächlich sandte Gott ihn zu den Menschen, jedoch mit einer merkwürdigen Botschaft: „Geh und sag dem Volk: ‚Ihr hört meine Worte, aber ihr versteht sie nicht. Ihr seht, was ich tue, aber ihr begreift es nicht.‘“(1) Bisher war die Botschaft immer: „Bessert euch!“ Doch nun verkündigte Jesaja, dass jemand kommen wird, der die gesamte Schuld seines Volkes auf sich nimmt. Diese Botschaft wird bis zum heutigen Tag oft nicht richtig verstanden. Die einen meinen, sie sei ein Freibrief, dass alle Menschen in den Himmel kommen. Andere wiederum meinen: „Für mich hätte Jesus sich nicht opfern müssen.“
Ich meine: Weder Gleichgültigkeit noch Selbstgerechtigkeit lassen uns erkennen, worum es eigentlich geht. Gott hat sich in Christus mit uns versöhnt und wartet nun darauf, dass auch wir uns mit ihm versöhnen. Das ist seine Botschaft an alle Menschen. Wollen wir sie wie Jesaja weitergeben?
Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) Jes. 6,9 [Neues Leben Übersetzung]
Als Gebetsinspiration das Lied: „Sende mich, Herr, ich will gehn“:
Ich stand vor dem Thron des Meisters und sah die Welt so wie er.
Ich sah die Menschen verschmachten an der Sünde dieser Welt.
Doch auch ich konnt' vor Gott nicht bestehen, es sei denn, er rührt mich an.
Wie gut, dass Jesus für jeden die Schuld auf sich nahm.
Der Herr sprach: Wer will gehn? Und nach diesen Menschen sehn?
Wen soll ich senden? Wer will sich für sie verwenden?
Sende mich, Herr, ich will gehn
und nach verlornen Menschen sehn.
Sende mich, Herr, ich will gehn
und nach verlornen Menschen sehn.
Text und Musik: Hans-Peter Mumssen