Losungswort
Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
Psalm 6,2
Lehrtext
Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
2. Korinther 5,21
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
So manch einer stellt sich die Frage: „Wieso ist Gott eigentlich zornig auf uns?“ – manchmal laut, manchmal leise. Die heutigen Bibelverse können diese Frage aufwerfen. „Wir glauben nicht an einen strafenden, sondern an einen liebenden Gott“, sagte kürzlich eine Theologin. Jemand anderes meinte: „Was habe ich denn groß getan, dass Gott auf mich zornig sein könnte?“ Nun, wenn man an Leute denkt, die Kinder missbrauchen, oder an solche, die Kinder zu Soldaten machen und sie zwingen, andere Menschen zu töten – ja, da kann man schon einmal richtig zornig werden. Doch wir? Wir zahlen doch alle unsere Steuern und versuchen, friedlich miteinander auszukommen. Betrifft das Losungswort vielleicht nur David, den Schreiber des Psalms? Hatte er sich gerade schwer verfehlt?
Nein, es betrifft uns alle – davon bin ich überzeugt. Im Lehrtext heißt es, dass Gott Jesus Christus für uns alle zur Sünde gemacht hat. Er trug also die Strafe, die wir verdient hätten, und hat uns so gerecht vor Gott gemacht. Doch was haben wir Gott getan, dass wir Strafe verdient hätten?
In der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass Gott uns nach seinem Bild erschaffen hat.(1) Er hat sich also unmittelbar mit uns verbunden. Was wir einander antun, fällt auf ihn zurück. Auch wenn wir ihm den Rücken zuwenden, lässt es ihn nicht gleichgültig. Er schaut nicht nur zu, sondern ist unmittelbar an allem beteiligt. Früher habe ich um des eigenen Vorteils willen Menschen etwas vorgespielt. „Was ist das schon?“, wird vielleicht jemand sagen. Doch damit habe ich etwas von Gottes Bild zerstört: nämlich Vertrauen und ungeheuchelte Liebe. Wenn wir so das Bild, nach dem wir geschaffen wurden, verzerren, meinen wir dann, dass Gott das einfach so hinnimmt?
Ich glaube, dass Gottes Zorn berechtigt ist. Umso dankbarer bin ich, dass Jesus Christus unsere Strafe auf sich genommen hat.
Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) 1.Mos. 1,27
Als Inspiration zum Gebet heute eine Strophe aus dem Lied „Mir ist Erbarmung widerfahren“:
Ich hatte nichts als Zorn verdienet
und soll bei Gott in Gnaden sein;
Gott hat mich mit sich selbst versühnet
und macht durchs Blut des Sohns mich rein.
Wo kam dies her, warum geschieht’s?
Erbarmung ist’s und weiter nichts.
Text: Philipp Friedrich Hiller (1767)