Losungswort
Dies Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.
Jesaja 29,13
Lehrtext
Jesus spricht: Nicht was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.
Matthäus 15,11
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Heute feiern wir in Deutschland einen besonderen Tag – den Tag der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland. Für mich war es ein riesiges Wunder, dass es dazu kam. Nie hätte ich damit gerechnet, dass die Trennung zwischen Ost und West einmal aufgehoben wird – und das auch noch friedlich. Einer der Motoren für diese Entwicklung war das Montagsgebet. Seit 1982 fand ein Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche statt, das auch mit zu den späteren Montagsdemonstrationen für mehr Freiheit führte, was wiederum in den friedlichen Fall der Mauer mündete. Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den Gebeten und der Wiedervereinigung.
Aber wo sind heute die betenden Menschen von damals? Im heutigen Losungswort beklagt Gott, dass sein Volk ihn äußerlich ehrt, doch innerlich weit von ihm entfernt ist. Trifft das auch auf unser Land zu? Ich denke, nur zum Teil. Viele ehren Gott gar nicht mehr. Es glauben zwar noch sehr viele Menschen, dass es einen Gott gibt, doch sein Wort und seine Gegenwart spielen in ihrem Leben kaum noch eine Rolle. Nun kann man das beklagen, aber ich frage mich: Gibt es einen Weg, das zu ändern?
Mir ist klar: Nur Gott selbst kann die Herzen der Menschen ändern. Doch weiß ich auch, dass wir als Christen daran mitwirken sollen. Was wir meiner Erkenntnis nach heute brauchen, sind glaubwürdige Christen. Und genau dazu hat der Lehrtext etwas zu sagen. Damals ging es den religiösen Führern vor allem um Speisegebote, die sie sehr ernst nahmen. Jesus dagegen ging es um das, was wir sagen und tun. Auch wir müssen uns fragen: Geht es uns Christen um kirchliche Regeln und Rituale – oder darum, wie durch unser Leben sichtbar wird, dass Christus in uns lebt? Ich bete für eine „geistliche Wiedervereinigung“, also dafür, dass sich Menschen mit Gott versöhnen lassen.(1) Können wir da mitgehen?
Einen gesegneten 3. Oktober wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) 2.Kor. 5,20
Gebet:
Vater im Himmel, ich danke dir für das Wunder, dass du die Mauer, die unser Volk voneinander getrennt hat, hast fallen lassen. Ich danke dir für deine große Gnade, die wir trotz all der Gräueltaten der Vergangenheit erleben durften. Nun bitte ich dich, dass die Menschen heute wieder neu anfangen, nach dir zu fragen. Schenke ebenfalls ein Aufwachen unter uns Christen, dass unser Glaube sichtbar wird in allem, was wir tun und sagen. Das bitte ich dich im Namen unseres Erlösers, Jesus Christus. Amen.