Losungswort
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.
2. Samuel 22,37
Lehrtext
Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!
Apostelgeschichte 3,6
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Im heutigen Losungswort berichtet David, dass Gott seinen Schritten „weiten Raum“ gegeben hat. Was genau ist solch ein weiter Raum?
Betrachten wir dazu einmal den Lehrtext. Dieser beschreibt die Heilung, die Petrus einem gelähmten Mann im Namen Jesu Christi zusprach. Der Gelähmte lebte buchstäblich in einem engen Raum. Er konnte nicht dahin gehen, wohin er gerade wollte. Er konnte sich nur langsam, vielleicht sogar nicht selbst bewegen. Vor allem war er davon abhängig, was andere ihm zukommen ließen.
Solch ein enger Raum spielte sich gewiss auch in seinem Inneren ab. Da war keine Würde, wahrscheinlich auch kein Respekt von anderen, sondern höchstens Mitleid. Wie fühlt man sich als Bettler? Wie fühlt man sich, wenn man um finanzielle Unterstützung bitten muss, weil man nicht genug verdient? Wie fühlt man sich, wenn man als Arbeitssuchender eine Absage nach der anderen bekommt? Viele Menschen fühlen sich entwürdigt, weil sie komplett von der Gunst anderer abhängig sind.
Doch plötzlich kamen Petrus und Johannes – zwei Jünger Jesu Christi, die von Gott bevollmächtigt waren, im Namen Jesu zu handeln. Petrus sprach dem Gelähmten Heilung zu, „ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest.“(1) Dieser Mann kam von der Enge in die Weite – und zwar nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Vorbei war das entwürdigende Leben. Vorbei die Stimmen, die sagten, dass er wohl selbst daran schuld sei, sonst hätte Gott die Lähmung ja nicht zugelassen.
Ich glaube, dass Gott uns alle in solch einen weiten Raum führen will. Die Tür zu diesem Raum ist Jesus Christus. In ihm finden wir unsere Würde. In ihm müssen wir uns nicht vor anderen verstellen, ein heimliches Doppelleben führen, gebeugt durchs Leben gehen oder uns vor Anklagen fürchten. Er stellt uns in einen weiten Raum und macht unsere Knöchel fest.
Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) Apg. 3,7 [Luther 2017]
Gebet:
Herr Jesus Christus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du mich in die Freiheit geführt hast. Früher meinte ich, ich sei frei. Doch heute weiß ich, was Freiheit wirklich ist: Dort zu sein, wo ich hingehöre. Ich gehöre zu dir, und du gehörst zu mir. Öffne bitte Türen und schenke Gelegenheiten, damit noch viele diese Freiheit in dir erkennen und ergreifen. Das bitte ich in deinem Namen, Jesus. Amen.