Losungswort
Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.
Psalm 38,5
Lehrtext
Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Lukas 23,42-43
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Was meinte David damit, als er sagte: „Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen.“ Einige Verse vor dem heutigen Losungswort lesen wir: „HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich.“(1) Vermutlich quälten David nicht irgendwelche Gewissensbisse, sondern Nöte, die aufgrund seiner Schuld entstanden waren. So etwas kann z.B. geschehen, wenn jemand fremdgeht und dadurch seine Familie zerstört. Darunter leidet dann nicht nur die Familie, sondern häufig auch die Person, durch die das geschehen ist. Oder wenn jemand all sein Hab und Gut verspielt. David verstand solche Nöte als Züchtigung Gottes, der sie nicht nur zuließ, sondern sogar mit verursachte.
Diese Sicht wirft natürlich auch Fragen auf. Sind Nöte, in die man gerät, denn immer ein Zeichen dafür, dass man sich schuldig gemacht hat? Bei einer Familienfreizeit lief ein Junge weinend zu seinem Vater, weil er vom Fahrrad gefallen war. Der sagte daraufhin: „Das liegt daran, dass du heute Morgen nicht gebetet hast.“ Offen gesagt empörte mich das. Doch vermutlich begründete der Vater sein Verhalten mit Bibelversen. Deshalb ist es mir so wichtig, Gottes Herz und seinen Ratschluss zu verstehen. Da reicht es nicht, ein paar Bibelstellen zu zitieren, die die eigene Auffassung bestätigen. Es ist ein Forschen nach – ich nenne es – dem Atem Gottes.
Der Lehrtext berichtet von einem Mörder, der neben Jesus gekreuzigt wurde. Ihm war nicht nur seine Schuld bewusst, er akzeptierte auch die Strafe. Es ging ihm also nicht um die Abwendung der Strafe, sondern um einen Fürsprecher bei Gott. So bat er Jesus, an ihn zu denken, wenn dieser in sein Reich kommt. Das genügte, dass Jesus ihm das Paradies versprach. Hier erkenne ich Gottes Herz und sein großes Erbarmen mit uns.
Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen
(1) Ps. 38,2-3 [Luther 2017]
Als Gebet heute eine Strophe aus dem Kirchenlied „Mir ist Erbarmung widerfahren“:
Ich hatte nichts als Zorn verdienet
und soll bei Gott in Gnaden sein;
Gott hat mich mit sich selbst versühnet
und macht durchs Blut des Sohns mich rein.
Wo kam dies her, warum geschieht’s?
Erbarmung ist’s und weiter nichts.
Text: Philipp Friedrich Hiller (1767)